Freitag, 27. Juli 2007

Tag 10: Maritiem- en Juttersmuseum

So, jetzt wird fleißig nachgetragen! Also das Eintragedatum in der Überschrift bitte ignorieren. Gültig ist sozusagen die Angabe Tag XY.






Immer wieder einen Besuch wert ist das "Schifffahrts- und Starndräubermuseum" im Fischerörtchen Oudeschild!

Bevor in den 60ern die modernen Autofähren die Südspitze der Insel angefahren hatten, war Oudeschild der einzige Hafen. Meine Großeltern ließen sich in den 50ern noch zusammen mit 10 anderen Autos mit einem umgebauten Kutter dorthin schippern.

Krabben- und Fischfang ist zwar immernoch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor auf Texel, die meisten Kutter sind aber ebenfalls leicht umgebaut, nämlich so, dass jede Menge zahlende Touristen mitfahren können und neben der Arbeit der Crew auch die im Wattenmeer auf Sandbecken lebenden Robben beobachten können.


Dieses Vieh saß vor dem Museumseingang auf 'ner Motorhaube. Es machte jegliches Makro-Objektiv unnötig, da es satte 3 cm (!) groß war!

Jahrhunderte lang war auch das Sammeln, Verwerten oder Verkaufen von angespültem Strandgut ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Bis zur modernen Containerschifffahrt wurden immer wieder ganze Schiffsladungen an wertvollen oder -losen Dingen angespült.

Die interessantesten und skurrilsten davon landen in einem riesigen Ausstellungsspeicher des Strandräubermuseums. Neben einer überwältigenden Masse von allerlei Kram wie Flaschen, Kippen oder Spielzeug, was aufgehängt an den Wänden bis zur Decke geht, über ganze Schiffsteile aus aller Herren Länder gibt es auch höchstinteressante Sachen wie Walknochen oder historische Relikte zu sehen. Einem Hinweisschild ist zu entnehmen, dass am 26. Oktober 2005 zwei Geschwister in England jeweils eine Flaschenpost ins Meer warfen, die dann nach einer Überquerung der Nordsee in Rekordzeit am 1. November des gleichen Jahres, nur 200 Meter voneinander entfernt, am Strand von Texel gefunden wurden.



In der angeschlossenen Schifffahrtsausstellung hatten wir dann das Vergnügen, mit einem alten geborenen Texelaner zu sprechen, der in teilweise jahrelanger Kleinarbeit Modelle von historischen Handels- und Kriegsschiffen zusammenfrickelt. Ein traditioneller Schmied und ein Fischernetzknüpfer (oder wie auch immer die Berufsbezeichnung ist) waren ebenso bei der Arbeit zu beobachten wie originalgetreu eingerichtete Wohn- und Kochstuben aus dem 18. Jahrhundert wie sie damals bei den Einheimischen hier aussahen. Die Häuser auf die sich dort alles verteilt sind ebenso alt, weshalb man als Person über 1,80 ein stark erhöhtes Kopfbeulenrisiko hat. Die steilen Leitern in der uralten Windmühle auf dem Gelände verlangten dann meiner Höhenangst eine Menge ab.




Ein weiterer Teil der Ausstellung versetzt einen ins Jahr 1776 zurück als in nur einer Nacht über 70 Schiffe, die bei Oudeschild vor Anker lagen, in einem verheerenden Sturm untergingen. Von dieser Katastrophe zeugen die geborgenen Funde wie persönliche Gegenstände (Kämme, Pfeifen, Geldbörsen) oder riesige Kanonen und Schatzkisten.

Ganz in der Nähe gibt es noch eine alte Festung, die Napoleon bauen ließ und erst vor zwei Jahren freigelegt und zugänglich gemacht wurde. Das müssen wir allerdings auf ein andermal verschieben ...

Wie schon der Hinweg, so war auch der Rückweg nach De Koog per geliehenem Holland-Bike eine schöne Tour über die weiten Landschaften der Insel. Über Radwanderwege auf denen einem kilometerlang kein einziges Auto über den Weg fährt ging es also wieder zurück; jedoch nicht, ohne vorher an der Bude am Hafenbecken die geilste Pommes der Welt gegessen zu haben (wer sie schon gegessen hat, weiß wieso)!

Alle Fotos übrigens © Julia Konowalski!

Maritiem & Jutters Museum