Bombastische Show! Geniale Flugzeuge! die unmöglichsten Flugformationen! Der Hammer schlechthin! Begeisterung pur! Eeeeeewig viele fotos gemacht! Zwei Akkus vom Camcorder plus zwei tapes voll...ein Event, dass man nicht verpassen sollte, wo es doch nur alle 6 Jubeljahre stattfindet.
so war es tatsächlich:
Jannis, Berit und Marcel sind Freitag, den 19. Juli angekommen - Dachten wir. Da lag auch schon der Fehler. Am 21. Juli sollte die Flugschau zum 70jährigen Jubiläum des Vliegvelds Texel stattfinden. Sonntag also, nach unserer urlaubsverblödeten Berechnung. Haha. Am Samstag sind wir dann gemütlich alle Mann nach Oudeschild gefahren, auf die andere Seite der Insel, und haben ne Fahrt auf nem Garnelenkutter mitgemacht.

Muss man ja alles mal erlebt haben. Haben uns noch gefreut, dass der nicht so brechend voll war.

War toll! Nur eine Sache trübte das perfekte Bild von Sonne, Wind, Meer, Möwengeschrei und Garnelenzappeln zunächst: Jan wurde zum Mörder eines kleinen niedlichen Babykrebses.

Unfreiwillig, dass muss man ihm zugestehen. Auf dem Foto lebte er noch...*schluchz* - grade noch aus dem Aussortierbecken gerettet, eine Sekunde im Meer und schon aufgefressen von einer gierigen Möwe...also in der Luft haben diese Vögel ja wirklich was majestetisches an sich, wenn sie so mit dem Wind schweben.

Aber wenns ums Fressen geht, ist man doch leicht an den Zeichentrickfilm über einen kleinen entführten Clownfisch erinnert: "Maaains, Maaains Maaains!!!" scheinen die Möwen zu schreien.

Das war also schon das zweite Mal, dass ich das Ableben eines Tierchens miterleben musste. Kleiner Exkurs: Am Donnerstag durfte ich die kurze aber beeindruckende Bekanntschaft mit einer Kamikaze-Raupe machen - ich wollte den Teppich im Zelt draussen ausschlagen, als ich dieses kleine possierliche Tierchen darauf entdeckte und anstupse. Es bewegte sich, raupentypisch eben, einmal zusammenkrümmen. Ich hatte eigentlich vor, sie auf dei Düne zu setzen, aber kaum wollte ich nochmal hingreifen, schiss sie sich selber aus! Plötzlich war sie platt und rührte sich nicht mehr :(. Kennt einer dieses Phänomen der sich selbst verdauenden Raupe? War es als Anschlag gedacht, im kleinen Maßstab? Eine Selbstmordatentäterraupe? Oder war sie depressiv? Humanophobie vielleicht?
Naja, weiter im Text:
Sind dann ca zwei Stunden später durchgefroren aber total verbrannt, mit nem Sack frischgefangener Garnelchen und ich mit tausend Möwenfotos auffe Kamera zurück nach De Koog gefahren
(Ja, hab da irgendwie ne Art Zwangsneurose entwickelt aufm Schiff, konnte einfach nicht aufhören diese kackenden, stibitzenden, schreienden Scheissviecher zu fotografieren - und hab mich noch gefragt, ob ich wohl noch genug Speicherplatz haben werde, um das Flugspektakel am SONNTAG (hnnngsss!) einzufangen)
Berit und Marcel waren dann erstmal beim Chinesen, Jan, Jannis und ich sind zum Zelt. Jan und Jannis hatten das Glück, während ich duschen war, schonmal die PROBEFORMATIONSFLÜGE der Düsenjäger zu beobachten, wie sie mir hinterher auuuufgeregt erzählten. Naja, dachte ich, egal, ich sehs ja morgen auch.
Hab mir nen ordentlichen Sonnenstich eingefangen, ich war nach einem Bier total betrunken und später in der Stadt bin ich nicht grad alt geworden. wir sind dann recht früh, noch mit ner halbgefrorenen Pommes (von aussen heiss, von innen kalt und äußerst bissfest) zum Zelt zurück. MAN WOLLTE JA AUCH FIT SEIN, FÜR DAS GROSSE EVENT AM ANDEREN TAG! nicht wahr?
Ich glaub ich brauch gar nicht weitererzählen. Aber um das ganze formhalber abzuschließen, tu ichs trotzdem. Ja, wir haben die Show verpasst. Um einen ganzen Tag. Urlaubsverblödet halt. Man lebt nur noch nach der inneren Uhr, steht auf wenns zu warm ist im Zelt, isst wenn man Hunger hat, geht schlafen, wenn man müde ist. Wenn man dann versucht, das Datum zu rekonstruieren, ist man aufgeschmissen und man merkt es erst, wenn man sich freut, einen Parkplatz direkt vor dem Flugplatz bekommen zu haben, wo doch die Male davor die Strassen zum Fluggelände immer schon weiträumig abgesperrt waren und man noch kilometerweit laufen musste, um das Spektakel aus nächster Nähe zu sehen. Dann wärt die Freude nur so lang, bis einer fragt, welches Datum wir denn haben und die Autouhr richtig verkündet: 22.Juli, 9.30h. Und vor dem inneren Auge das Plakat auftaucht, welches die Flugshow beworben hat, auf dem schwarz auf weiss stand dass sie am 21. Juli stattfindet. Tja. Dafür gibts halt jetzt die Formationsflüge der Möwenairshow vom Garnelenkutter aus beobachtet, zu sehen.





Nee nee, son grossangelegtes Medienspektakel mit völlig unsinniger Luftverschmutzung muss man ja nicht noch unterstützen. Da muss man hart bleiben. Und sich an der Natur erfreuen. Ne?